eparo – Digital Service Design

Das Blog von eparo.de

25. November, 2016

Der World Usability Day durch die „Nutzerbrille“ eines Außenstehenden

Redaktion: Beate Winter

Vor einer Woche fand der World Usability Day (WUD) auch wieder in Hamburg statt. 400 Teilnehmer waren in diesem Jahr auf dem Campus der HAW Hamburg. Ein neuer Rekord. Diesjähriger Schwerpunkt: Sustainable (green) User Experience. Was ist denn eigentlich Sustainable oder Green UX? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Auch von Experten. Antworten erwarteten wir von der German UPA und haben Vertreter des Berufsverbandes eingeladen. Außerdem sollten natürlich Vorträge und Workshops, Diskussionen und Gespräche während der Konferenz zur Klärung beitragen. Erstmals haben wir auch einen Journalisten und Texter eingespannt. Bewusst haben wir jemanden ausgesucht, der nicht aus „der UX- Szene“ kommt. Eine Reportage von Torsten Sannwald über den Tag, der die Welt verbessern soll.

Neues für Nutzer

Das Forum der Ideen auf dem World Usability Day 2016 in Hamburg

WUD 2016 Hamburg, Julian Mengel

CO2 arme Websites? Stellen wir uns vor, das Internet sei ein Land. Dann wäre es in puncto Stromverbrauch das sechstgrößte Land der Erde. In seinem Vortrag (Vortragsfolien) rechnet der studierte Biologe Julian Mengel vor, dass durch lange Ladezeiten und riesige Bilddatenflut weltweit Millionen Tonnen an CO2 in die Atmosphäre geblasen werden. Die Lösung zur Minimierung kostet weder Geld noch Aufwand. Bei der Erstellung von Websites einfach Bilder komprimieren und auf das Performance Budget achten – bei mobiler Nutzung zum Beispiel eine Ladezeit von maximal drei Sekunden. Auf diese Weise konnte etwa bei einem großen deutschen Webservice die Ausstoßlast um zwei Drittel reduziert werden.

Ein erstes Aha-Erlebnis. Denn das leuchtet selbst dem ein, der sich unter Usability oder User Experience nur schemenhaft – unter Sustainable User Experience überhaupt und rein gar nichts vorstellen konnte. Denn meine Digital-Affinität beginnt bei Emails und hört bei Spiegel Online und car2go auch schon auf. Gleich bei der Einladung zum WUD wies ich ausdrücklich auf mangelnde Kenntnisse hin, jedoch wies man mich daraufhin genauso ausdrücklich darauf hin, dass dieser Umstand nicht schlimm – sondern es im Gegenteil ganz interessant sei, mal zu lesen, wie der WUD auf jemand wirke, dessen Kernkompetenz – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gerade im Digital Business liegt.

 

Abgesehen von mir sind die restlichen der rund 400 Besucher aber schon alle mehr oder weniger vom Fach. Viele sind hier, die sich austauschen und inspirieren möchten, wie der Art Director, dessen Kollegen in der Agentur Jobs immer nur standardmäßig abarbeiten – es sei denn, es kommen veränderte Vorgaben vom Chef oder vom Kunden selbst. Eigeninitiative und Kreativität? – Fehlanzeige. Oder der Creative Director, der hier nach talentiertem Nachwuchs sucht. Oder die zwei Interaction Designerinnen, die mit spezifischen fachlichen Fragen kollegiale Unterstützung erhoffen. Oder der Manager aus dem Führungsteam eines schweizerischen Wasserversorgers, der hier bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsapplikationen wertvolle Impulse mitnehmen möchte.

WUD 2016 Hamburg, Christoph Buckler

Dass Sustainable (green) UX neben der technischen vor allem auch über eine gesellschaftliche Dimension verfügt, erörtert Christoph Buckler in seinem Vortrag „Designprinzipien für Green UX“ (Vortragsfolien). Darin geht er auf die besondere Verantwortung von Designern und Entwicklern ein. Er beschreibt Möglichkeiten zur Einflussnahme auf umfassendere Problemlösungen, die sich nicht nur auf die Optimierung der Performance beschränkt – sondern sich auf den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling eines Produktes erstreckt.

WUD 2016 Hamburg

In „Digitale Communities für ländliche Regionen“ (Vortragsfolien) wird’s amüsant. In Wort und Bild beschreibt Steffen Hess, Fachvorstand von German UPA, Stolpersteine, die zwischen Konzeption und nutzertauglicher Umsetzung einer digitalen Packstation liegen können. Das Projekt im Rahmen der »Digitalen Dörfer« vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, zeigt, wie Mobilität und Logistik mit intelligenter Technologie verzahnt werden kann, sodass für Bevölkerung und Unternehmen ein Mehrwert entsteht.

 

In der Mittagspause plaudere ich am Stand von Ratio Drink, einem Kooperationspartner des WUD. Deren „Konferenzflasche“ ist eine weitere Interpretation zum Thema Usability. Das Produkt wird hauptsächlich von Gastronomie und Cateringfirmen bei Veranstaltungen eingesetzt. Es besteht aus einer Glasflasche, die der Besucher mit seinem Namen beschriftet und während der gesamten Veranstaltung behält und wiederverwenden kann. An einer Auffüllstation stehen Container mit Bio-Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit, die einfach mit Wasser angerührt werden. Und so wird mit diesem Konzept der Konsument – schwuppdiwupp – selbst zum Getränkeproduzenten.

(Fotos Lego Serious Play Workshop: © O. Lorenzen-Schmidt)

Tausende von Legosteinen warten am Nachmittag gespannt darauf, was aus ihnen wird. Eine möglichst lange, möglichst stabile und möglichst schöne Brücke; die Materialisierung eines persönlichen Wunsches; oder der Ausdruck dessen, was man selbst unter Sustainable UX versteht – so lauten die Aufgaben beim Lego Serious Play Workshop von Irene Schuler. Auf abstrakte Aufgaben hin werden alleine oder in der Gruppe Ideen erarbeitet, bei denen sich die Entwicklung der Lösung aus der Visualisierung ergibt – Kreativität aus dem Zusammenspiel von Kopf-Bewusstsein und Unterbewusstsein, dass seinen Ausdruck über die Hände findet. Am Tag eins nach der Wahl eines Präsidenten, der die Zukunft mit den Rezepten von gestern zu gestalten verspricht, ist das ein moderner Konzeptansatz mit ungleich mehr Potenzial.

Damit findet ein inspirierender Tag seinen leichten, erlebnisreichen und unterhaltsamen Ausklang. Fazit: als einer, der noch aus der guten alten Zeit der Print-Werbung kommt, in der es darum ging, meist Unnützes möglichst geländegängig an den Konsumenten zu bringen, habe ich beim WUD erfahren, dass User Experience oder Usability organischer Bestandteil einer erweiterten Form von Kommunikation ist. Einer Kommunikation, die dem Konsumenten natürlich auch etwas verkaufen will, ja – aber darüber hinaus den Anspruch hat, an einem positiven gesellschaftlichen Wandel mitzuarbeiten.

 
15. November, 2016

Unser Rekrutierungsgott als Speaker auf der IA Konferenz

Schon fast traditionell beteiligen wir uns an der IA Konferenz (DER Konferenz für Informations-Architektur in Deutschland) durch Beiträge oder auch mal als Sponsor. In diesem Jahr war unser Rekrutierungsgott Lars als Speaker auf der IA Konferenz. Er berichtete den Teilnehmern über seine Erfahrungen mit Fake Probanden oder wie er sie in seinem Beitragstitel nannte: „Toxische Probanden“.

Lars als Speaker auf der IA Konferenz

Obwohl der Slot von Lars am Samstag Nachmittag lag und strahlender Sonnenschein in Berlin eigentlich eher zu Ausflügen in Parks oder an Seen einlud, stieß sein Beitrag auf hohes Interesse und war sehr gut besucht. Er wollte seine Präsentation eigentlich mit einer kurzer Einführung zu Gründen und Abläufen von Test starten – nach Rückfrage beim Publikum zeigte sich allerdings, dass alle schon reichlich Vorwissen hatten und er diesen Punkt guten Gewissens überspringen konnte.

Es ging also direkt los. Anhand von Beispielen aus seinem fast 20-jährigen Erfahrungsschatz erklärte Lars, wie Fake Probanden entlarvt werden können. Da gab es beispielsweise die Probandin, die für eine Banking Studie eingeladen werden sollte. Sie gab an, Abitur gemacht zu haben und 4.000€ im Monat netto zu verdienen. Soweit so gut. Allerdings gab sie bei der Frage nach ihrem Job an, als Kassiererin in einem Supermarkt zu arbeiten. Da wurde der Caller natürlich stutzig und auch das Publikum auf IA Konferenz erkannte sofort, dass da etwas nicht stimmen konnte.

Aber so offensichtlich ist es nicht immer: ein weiteres Beispiel war ein Automobiltest mit einem berühmten deutschen Sportwagen. Der Proband gab an, Besitzer eines Fahrzeugs eines Premiumherstellers zu sein und seine weiteren Angaben (Immobilienmakler, 8.500€ Nettoeinkommen, usw.) passten zu dieser Aussage. Als der Test begann, bekam er den Autoschlüssel ausgehändigt und sollte das besagte Premiumfahrzeug starten. Er setzte sich in das Auto und suchte dann rechts neben dem Lenkrad nach dem Zündschloss, welches sich bei diesem Fahrzeug jedoch auf der linken Seite befand – da wurde der Test sofort abgebrochen. Wie sich später herausstellte, war er kein Immobilienmakler sondern Staplerfahrer im Hafen und hatte kein Premiumfahrzeug sondern ein Auto eines Massenherstellers. Um solche Vorfälle zu vermeiden, lässt sich Lars seitdem bei ähnlichen Studien stets den Fahrzeugschein zeigen, bevor er den Probanden einbucht.

Lars auf der IA Konferenz

Nachdem Lars von seinen Erfahrungen berichtet und hilfreiche Tipps gegeben hatte, begann die Fragerunde. Hier wollte ein Teilnehmer beispielsweise wissen, wie oft Fake-Probanden vorkommen („Immer öfter, da sich immer mehr Probanden anmelden“). Aber auch allgemeine Fragen zur Rekrutierung wurden gestellt. Ein Teilnehmer wollte beispielsweise wissen, ob es ein Mindestalter für Probanden gibt („Es gelten die allgemeinen Gesetze zur Geschäftsfähigkeit, sprich unter 18 Jährige nur mit Einverständnis der Eltern.“). Auch nach seinem Vortrag kamen noch einige Kongressteilnehmer mit Fragen auf Lars zu.

Der trotz des schönen Sommerwetters gut besuchte Vortrag und die zahlreichen Fragen zeigen deutlich, dass die Rekrutierung passender und guter Probanden ein immer aktuelleres Thema ist. Die Präsentation von Lars findet ihr übrigens auf Slideshare.

 
20. Oktober, 2016

World Usability Day 2016 – Mit User Experience zu mehr Nachhaltigkeit

blogbeitrag

Usability und User Experience (UX) sind zwei wesentliche Produktqualitäten, die heutzutage den Unterschied ausmachen. Über lange Zeit vernachlässigt, erreichen diese mittlerweile in Deutschland eine immer größere Sichtbarkeit. Nicht ganz unbeteiligt daran sind zahlreiche engagierte Designer, Psychologen, Informatiker und viele Weitere, die täglich ihre Fahne hochhalten und an Produkten für die Menschen und mit den Menschen arbeiten. Dabei stehen nicht die Technologien im Vordergrund, sondern die Menschen, die von Technologien unterstützt werden.

Um die bisherigen Errungenschaften und Erkenntnisse zu den Themen Usability und User Experience gemeinsam zu feiern sowie deren Bedeutung in die Welt zu kommunizieren und zu stärken, findet am 10. November 2016 der mittlerweile 12. World Usability Day (kurz: WUD) statt. Insgesamt gibt es an dem Tag weltweit rund 200 kostenfreie Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern und auch Deutschland ist mit fast 20 Standorten wieder dabei. Der WUD in Deutschland ist eine Veranstaltung der German UPA (Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals) und wird in Hamburg seit 2007 von eparo in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW Hamburg) organisiert.

Auf dem WUD in Hamburg möchten wir die Auswirkungen interaktiver Produkte und Systeme auf unsere Welt zusammen mit den Teilnehmern betrachten und diskutieren. Dazu wird es 11 spannende Vorträge und verschiedene Workshops geben. Das diesjährige Schwerpunktthema ist „Sustainable (Green) UX“ – doch was kann man darunter eigentlich verstehen? Wir haben unsere Besucher aus dem letzten Jahr gefragt und festgestellt, dass viele zum ersten Mal von Nachhaltigkeit in Verbindung mit UX hören und sich darunter nichts Konkretes vorstellen können. Daher haben wir Holger Fischer, den Vizepräsidenten der German UPA, gebeten, einmal genauer zu erläutern, was „Sustainable User Experience“ bedeutet:

Holger Fischer, Vizepräsident der German UPA

Das Thema in diesem Jahr lautet „Sustainable User Experience“. Doch wie passt das Thema Nachhaltigkeit mit User Experience zusammen? Nachhaltigkeit und User Experience sind von Beginn an miteinander verflochten und verfolgen eigentlich die gleichen Ziele. Sie beide fokussieren das Produkt von der Schaffung bis zur Erfahrung für Menschen und schaffen das beste Erlebnis. Grüne und nachhaltige Produkte berücksichtigen Ziele wie Recycling, Wiederverwendung und schrittweise Verbesserung. Es geht darum, bestehende Produkte und Dienstleistungen zu nehmen und Wege der Entwicklung zu verfeinern, neu zu gestalten, sie effektiver, effizienter und wiederverwendbar in einer Weise zu machen, um das Leben eines jeden Menschen zu verbessern. Dabei lassen sich drei verschiedene Bereiche der Nachhaltigkeit betrachten, die miteinander einhergehen: Ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

Ökologische Nachhaltigkeit: Die ökologische Nachhaltigkeit thematisiert die Ressourcenschonung und lässt sich auch als „Green UX“ bezeichnen. Durch die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Geschäftsbereiche wird so beispielsweise versucht, das „papierlose Unternehmen“ zu realisieren, indem Rechnungen, Aufträge, Verträge und vieles Weitere nur noch digital erstellt, verschickt, verarbeitet und archiviert wird. Zudem wird ebenfalls das Thema Energie in den Fokus gerückt. Apps auf unserem Smartphone oder im Unternehmen helfen uns dabei unser Haus oder Unternehmensgebäude intelligent zu gestalten und so auf unseren Energieverbrauch zu achten.

Gesellschaftliche Nachhaltigkeit: Eng mit der ökologischen Nachhaltigkeit ist auch die gesellschaftliche Nachhaltigkeit verbunden. Ein wesentlicher Aspekt der UX ist unter anderem die intrinsische sowie extrinsische Motivation der Gesellschaft. UX kann hierbei helfen, die Einstellung jedes einzelnen zu prägen, ihnen das Thema der Nachhaltigkeit näher zu bringen sowie bewusst zu machen und deren Persönlichkeit mit zu entwickeln. Über ein entsprechendes Nutzererlebnis, bei dem sich Personen aktiv mit Ökologie und Ressourcenschonung auseinandersetzen, entstehen neue innovative Ideen. Mit Gleichgesinnten vernetzt, entsteht hier das Potential, dass diese Ideen eine nächste Ebene erreichen.

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: UX in Bezug auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit fokussiert unter anderem die Wiederverwertung von existierenden Konzepten, Produkten und Dienstleistungen. Bestehende Wege der Entwicklung lassen sich durch UX verfeinern, erneuern sowie effektiver, effizienter und wiederverwendbar gestalten. Eine entscheidende Ressource für Innovationen im Unternehmen sind deren Beschäftigte. Damit Innovation entstehen können, bedarf es entsprechender Freiräume und Unterstützungsmöglichkeiten. Durch angemessene und gebrauchstaugliche Apps und Systeme zur digitalen Assistenz der Beschäftigten, können diese sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und gezielt gefördert werden. Dabei lässt sich zudem auch Inklusion realisieren und eine soziale Gleichheit herstellen. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der UX ist somit auch eng mit dem aktuellen Thema „Arbeit 4.0“ verknüpft.

Arbeit 4.0 ist ein Begriffskonstrukt, dass die zunehmenden direkten und indirekten Wechselwirkungen der Digitalisierung auf sämtliche Prozesse der Arbeitsgestaltung, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen sowie Aus- und Weiterbildung beschreibt.  Neue Technologien verändern ganze Wertschöpfungsketten und generieren neue, digitale Geschäftsmodelle. Gleichzeitig verkürzen sie Software-Innovationszyklen und führen neue Mensch-System-Schnittstellen ein. Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind Veränderungen menschlicher Arbeitsabläufe. Menschen erhalten neue Verantwortungen und büßen gleichzeitig Wissen und Kompetenzen ein. Dabei entsteht die Frage, ob die Technologie oder der Mensch die Kontrolle hat und die Entscheidungen trifft. Arbeit 4.0 thematisiert unter anderem Aspekte der Selbstorganisation und diskutiert neue Arbeitsformen, bspw. agile Unternehmensstrukturen. UX unterstützt dabei die positiven Veränderungen der Arbeitswelt hin zu mehr Flexibilität, Zufriedenheit und einem besseren Miteinander. Dadurch wiederum werden Bedingungen geschaffen, die eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung gebrauchstauglicher Produkte und Services fördern. Das heißt, dass sich die Nachhaltigkeit auch auf den UX-Prozess als solches beziehen kann. Projekte sollten nicht nur auf der inhaltlichen Ebene mit den Auftraggebern durchlebt, sondern diese auch während des gesamten Projektes eingebunden werden. Es geht demnach auch darum, beim Auftraggeber das Wissen über die UX-Vorgehensweise zu transferieren, um ihn beim Wandel der Organisationskultur bzw. Denkweisen im Unternehmen zu unterstützen.

Zusammenfassend ist „Sustainable UX“ also ein vielseitiges Thema, welches drei wesentliche Ziele verfolgt:

  1. Gestaltung eines positiven Einflusses – auf den Klimawandel, soziale Gleichheit und Inklusion
  2. Förderung eines „grünen“ Verhaltens durch Apps und Co.
  3. Bildung einer ganzheitlichen Sicht der Nachhaltigkeit

Ethik, Werte und Handeln stehen im Fokus. Usability und User Experience Professionals nehmen dabei verschiedene Rollen ein, damit diese ambitionierten Ziele erreicht werden können. Sie sind Erzieher und somit verantwortlich für Bildung durch formelles oder informelles Lernen. Über positive Nutzererlebnisse prägen sie die Denkweisen in unserer Gesellschaft. Als Innovator realisieren sie neue Ideen und zeigen, welchen Unterschied eine positive UX ausmachen kann. Bestes Beispiel hierfür ist Steve Jobs, der mit seinen Produkten das digitale Zeitalter der letzten Jahre entscheidend geprägt hat. In der Rolle des Disruptor rufen UX Professionals radikale Veränderungen hervor. Bekannte Beispiele hierfür sind Airbnb oder Uber. Hierbei sind gänzlich neue, digitale Geschäftsmodelle entstanden. Airbnb besitzt keine eigene Immobilie und Uber kein eigenes Taxi, aber beide haben den Zahn der Zeit getroffen und vernetzen Gleichgesinnte, die Wohn- oder Fahrgemeinschaften bilden möchten und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Die Profession der Usability und User Experience Professionals ist vielseitig und multidisziplinär. Sie reduzieren Barrieren und bauen Brücken zu anderen Disziplinen. Es liegt an jedem Einzelnen, diese Verantwortung zu übernehmen, wenn wir unsere Welt ein Stückchen besser machen und genießen wollen.

 
12. September, 2016

Eyetracker per Post: Mit Eyevido funktioniert Eyetracking auch Remote

Vor einigen Monaten hat mich Cord-Christian Nitsche von maklaro auf Eyevido aufmerksam gemacht. Eyevido ist ein Startup aus Koblenz und bietet Crowd-Eyetracking an. Ich war ziemlich neugierig, wie das genau funktioniert.
Also haben wir eyevido zu uns eingeladen und das zum Anlass genommen, daraus ein Abend-Event rund um Eyetracking bei uns im Büro zu machen.

Klaus Wächter von EYEVIDO ist dafür extra aus Koblenz angereist und hat uns erklärt, wie es funktioniert:

  • Studie anlegen
  • Eyetracker per Post an die Probanden schicken (oder die Probanden vor den eigenen Rechner setzen)
  • Studie durchführen lassen (das geht alleine)
  • Studie auswerten (Heatmaps oder Blickverlaufsplots erstellen, Fragen auswerten)

matthias-probiert-eyevidoUm das Prinzip greifbarer zu machen, hat Klaus live eine Studie angelegt. Matthias sah seine Chance, endlich auch mal Proband zu sein (nicht immer „nur“ der Testleiter). Er musste dann rausgehen und wir haben uns eine ziemlich miese Studie überlegt. Danach musste er vor den ganzen Zuschauern so tun, als würde er unbeobachtet und in Ruhe die Beispiel-Website durchsuchen.
Es war schon ziemlich beeindruckend, wie einfach man mit dem Auswertungs-Tool Heatmaps und Blickverläufe visualisieren kann.

Aus der Auswertung des kleinen Beispiel-Tests entstand schnell eine Diskussion, wann Eyetracking sinnvoll eingesetzt werden kann, wo die Grenzen liegen und welche Unterschiede sich im Vergleich zu Nutzerbefragungen in klassischen UX-Tests ergeben. Uns fehlte natürlich immer die Tonspur. Wenn ich ein merkwürdiges Verhalten beobachte, möchte ich ja immer direkt den Probanden befragen können.

Zum Spaß hatten wir übrigens mal die Ahnengalerie unserer Eyetracker mit aufgebaut. Vom ersten Gerät, was noch nen fetten Tower-PC brauchte, über die kleinen schmalen USB-Eyetracker bis zu unserer neuen Eyetracking-Brille. Schon irre, was sich da in den letzten 5 Jahren getan hat.

Auch wenn Crowd-Eyetracking Studien als eigenes Studienformat für uns wohl leider weniger interessant sind, da wir dann nicht direkt mit den Nutzern sprechen können, spielen wir seit dem Abend mit dem Gedanken, wie wir Eyevido mit in unser Test-Setup integrieren können. Mal sehen, was da geht…

Hier noch einige Beispiele von Eyevido:

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Eyevido: Attention Map

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Eyevido: Gazeplot

flyeralarm-heatmap

Eyevido: Heatmap

flyeralarm-heatmapmitaoi

Eyevido: Heatmap mit Areas of Interest

 
24. August, 2016

World Usability Day 2016 in Hamburg – Sustainable (Green) UX

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Der World Usability Day (WUD) 2016 findet am 10. November statt und wird wieder von eparo in Kooperation mit der HAW organisiert. Das diesjährige Schwerpunktthema Sustainable User Experience finden wir großartig, da es deutlich macht, dass unsere Arbeit auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen muss: Wie können wir Usability so gestalten, dass weniger Energie und Rohstoffe verbraucht werden? Wie tragen wir dazu bei, dass durch User Experience im Kontext der Vernetzung nachhaltige Formen des Zusammenlebens entwickelt werden?

Diese und andere Fragen zur Nachhaltigkeit können auf dem WUD gemeinsam diskutiert werden. Da in vielen Unternehmen Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus rückt, erwarten wir auch viele Teilnehmer aus anderen Bereichen, wie z.B. aus der Informatik, dem Ingenieurwesen oder dem Produktmanagement. In Vorträgen und Workshops wollen wir gemeinsam erarbeiten, wie Produkte effektiv, effizient und wiederverwendbar entwickelt werden können und wie nachhaltige Prozesse der Produktentwicklung Ziele wie Recycling, Wiederverwendung und schrittweise Verbesserung berücksichtigen können.

Die Teilnahme am Hamburger World Usability Day ist übrigens kostenlos!

Alle Infos zum WUD in Hamburg gibt es auf der Website: wudhh.de
Folge dem WUD auf twitter: @wud_hh

 
2. Juni, 2016

Produktreiferei #2 mit Veloyo

Produktreiferei Header

Alle zwei Monate testen wir eine Startup-Idee in unserer Produktreiferei. Das heißt es gibt von uns ein kostenfreies und offenes UX-Testing für ein Startup. Dabei können bis zu 20 Personen live zusehen und ihr Feedback geben. Die Beobachter können Nutzern über die Schulter schauen, lernen, wie UX-Tests funktionieren und helfen, die Produktideen zu verbessern. In der Kombination werden so aus Produktideen reife Produkte.

Das Startup: Veloyo  Plattform für mobile Fahrradreparatur

Copy of VLY_Back-DEDieses Mal war Veloyo bei uns. Veloyo bietet Nutzern die bequeme Buchung von Fahrradreparatur-Dienstleistungen über das Smartphone an. Der Nutzer knipst ein paar Fotos von seinem Fahrrad und den Schäden und verschickt die Anfrage zusammen mit dem georteten Standort des Rades. Anschließend meldet sich ein Mechaniker per Text-Chat beim Nutzer und stimmt einen Termin mit diesem ab. Über den Chat erhält der Nutzer dann Updates zur Reparatur.

Abgefahren! Ein Fahrrad im UX-Labor

IMG_0408Um das Nutzererlebnis rund um den Reparatur-Service möglichst ganzheitlich zu testen, haben wir keine Mühen gescheut. Wir haben Christian sein geliebtes Fahrrad abgeknöpft und es in unser UX-

Labor gestellt. Um die Test-Situation noch realistischer zu gestalten, musste noch ein Platten her und so fiel dann der hintere Fahrradreifen dem UX-Test zum Opfer.

Bildschirmfoto 2016-05-30 um 17.29.50

Den drei Probanden haben wir im Test unsere Eyetracking-Brille, die Tobii Glasses 2, aufgesetzt. Dadurch konnten alle Produktreifer quasi mit den Augen der Probanden sehen und genau mitbeobachten, was ein Proband am Smartphone tut und wo er dabei hinschaut. So konnten wir dank der drahtlosen Eyetracking-Brille live mitverfolgen, wie die Probanden um das Fahrrad herum gingen und dabei mit Smartphone-Kamera und Fahrrad interagierten.

Ergebnisse des Abends

AuswertungAuch diesmal wurden wieder eifrig bunte Post-Its beschrieben und unsere Workshop-Wand von unten bis oben vollgeklebt. Für die Auswertung schnappten sich jeweils zwei bis drei Produktreifer einen Themenkomplex, um die Ergebnisse zu sortieren und Erkenntnis-Cluster zu bilden.

Der Buchungsprozess wurde von allen drei Probanden ohne größere Schwierigkeiten durchlaufen. Vom Text-Chat mit dem Mechaniker waren die Probanden zwar überrascht – es klappte aber prima. Als Fazit kann gesagt werden, dass die Plattform von Veloyo bereits eine hochwertige User Experience bietet und es von Nutzersicht aus nur noch kleinere Akzente gibt, die weiter optimiert werden könnten.

 

 


Wir machen Sommerpause!

Der Sommer steht vor der Tür! Aus diesem Grund machen wir mit der Produktreiferei bis Ende August erstmal Sommerpause. Wir freuen uns schon auf weitere tolle UX-Testings im Herbst!

Wann genau es weiter geht, erfahrt ihr über unsere Meetup-Gruppe. Meldet euch gerne an: http://www.meetup.com/de-DE/Produktreiferei/events/229607151/

Du hast eine Produkt-Idee, die getestet werden soll? Dann geh auf unsere Seite und schreib uns: https://www.eparo.de/produktreiferei

 
5. Mai, 2016

eparo goes Holacracy: Den richtigen Coach finden

Nach den grundsätzlichen Entscheidung, Holacracy einzuführen (Erster Teil der Holacracy-Journey) wird es jetzt konkret:

Ohne Hilfe wird es wohl nicht gehen

Eigentlich sind wir im Herzen Selbermacher, aber für die Einführung von Holacracy werden wir wohl Unterstützung brauchen. Das war jedenfalls die Empfehlung von allen, die auf Holacracy umgestiegen sind.
Also haben wir uns auf die Suche nach einem Coach gemacht, der unsere Holacracy-Reise begleiten kann:

  • sie/er sollte deutsch sprechen, da nicht alle im Team gut genug englisch können
  • sie/er sollte schon praktische Erfahrung mit der Einführung von Holacracy haben. Wir wollten niemanden, der nur die Theorie kennt
  • sie/er sollte nicht zu weit weg sein, damit wir anfangs häufiger vor-Ort-Termine machen können.

Unsere Anforderungen haben die Auswahl schon ziemlich eingeschränkt. Holacracy ist in Deutschland noch nicht so recht angekommen und in Konsequenz fehlen die Menschen, die Erfahrung mit der Umsetzung haben.

Über offizielle und inoffizielle Holacray-Coaches

Bei den Gesprächen mit möglichen Holacracy-Coaches sind wir dann schnell auf die harte Hand von HolacracyOne gestoßen. Die haben die Markenrechte an Holacracy und stellen strikte Regeln auf, wer sich offiziell „Holacracy Coach“ nennen darf. Das macht zum Teil ja auch Sinn, da sie sicherstellen wollen, dass da, wo Holacracy drauf steht, auch Holacracy drin ist. Allerdings ist eine Grundanforderung, dass angehende Holacracy-Coaches eine ganze Reihe von ziemlich teuren Schulungen bei – ihr ahnt es schon – HolacracyOne durchführen müssen.
Auf jeden Fall haben wir eigentlich nur Coaches gefunden, die entweder noch nicht zugelassen sind oder aber die Zulassung wieder abgegeben haben. Daher werde ich es hier vermeiden, unsere Coaches mit Namen zu erwähnen.

Coach-Auswahl, erster Versuch

kermitWir hatten dann doch schnell jemand gefunden (nennen wir ihn mal Nils) und in zwei Skype-Sessions auch das Gefühl gewonnen, dass es gut passen könnte.
Nächster Schritt war dann, das Team ins Boot zu holen.
Dazu haben wir Nils gebeten, einen Einführungstag zu Holacracy zu machen. Das komplette Team war anwesend, inklusive unserer regulären freien Mitarbeiter.
Um es kurz zu machen: Der Termin hat überhaupt nicht funktioniert und das Team hat am nächsten Tag einhellig gesagt: Nicht mit Nils
Wie konnte das passieren?

  • Nils hat seine Stärken eher im systemischen Coaching und kann vermutlich gut Menschen helfen, deren berufliches Selbstverständnis durch die Holacracy-Einführung ins Wanken kommt. Das Problem haben wir aber eher weniger, da alle richtig Lust auf Holacracy haben. Wir brauchen einfach nur Hilfe, die Spielregeln zu lernen. Da passten die Erwartungen dann doch nicht gut zusammen.
  • Nils konnte das Team auch nicht davon überzeugen, dass er Holacracy gut und praxistauglich vermitteln kann. Und das passte dann so garnicht zum bundesligatauglichen Tagessatz…

Coach-Auswahl, zweiter Versuch

Wir haben uns direkt nach einem neuen Coach umgesehen. Ruben hatte sowieso schon Bernd empfohlen. Er hat in seinem Startup eine Art „Holacracy-Light“ eingeführt. Da es uns ja auch eher auf die Grundprinzipien der Selbstorganisation ankommt und weniger auf das Label „Holacracy“ passte das gut.

zettelklebenchris

Auch Bernd hat mit uns eine Art Kennenlern-Workshop gemacht. Riesenunterschied: Wir haben nach einer kurzen Einführung direkt angefangen, Tätigkeiten und Rollen zu sammeln. Zuerst haben wir alle Sachen aufgeschrieben, die bei uns gut laufen und die Sachen, die nicht gut funktionieren.

sachen-die-unklar-sindAls Vorübung für die Definition der Rollen haben wir dann alle Jobs und Tätigkeiten aufgeschrieben, die jeder von uns macht. Dabei kamen extrem viele Sachen zum Vorschein, die so nebenbei erledigt wurden. Mit Holacracy werden diese Tätigkeiten dann sichtbar und damit auch besser planbar. Alle hatten das Gefühl, dass diese Transparenz, die mit Holacracy einher geht, eine gute Sache sein wird.

Dieses praktische Hands-on-Vorgehen von Bernd passt definitiv gut zu uns.

Jetzt begleitet Bernd unsere Holacracy-Einführung.
Das Team hat ihn schon gewarnt, dass es seine größte Herausforderung sein wird, „Rolf in Schach zu halten“…
Ich bin da ganz tiefenentspannt.

Das Fazit

Es war superwichtig, das Team in die Entscheidungsfindung für den Coach komplett einzubinden. Nach der zweiten Runde sind alle sehr motiviert und tragen den Prozess noch mehr mit als zu Anfang.

Der Coach muss von der Kultur und vom Entwicklungsstand im Team her passen. Bei uns heisst das einfach:

  • Pragmatisch
  • Methodenorientiert
  • Persönlich und offen

Mal sehen, wie es weitergeht. I’ll keep you posted.

 
28. April, 2016

Boys Day 2016: Marek und Jones bei uns im Büro

boys-day bei eparo-13Am 27.4. ist Boys Day und alle Jungs haben schulfrei wenn sie ein Unternehmen besuchen, um zu sehen, wie arbeiten geht. Mein Sohn Marek und sein Kumpel Jonas waren für einen Tag bei uns im Büro. Gelockt haben wir sie mit der Aussicht, unsere neue Eyetracking-Brille mit Minecraft, ihrem Lieblingsspiel, auszuprobieren. Und damit es sich richtig lohnt, haben wir noch den Hund mitgenommen.

boys-day bei eparo-5 Die beiden hatten viel Spaß mit der Brille. Jenny hat ihnen gezeigt, wie sie mit der Eyetracking-Brille umgehen müssen und die beiden haben dann Minecraft gespielt und diverse Apps am iPad ausprobiert.

Am Schluss rannte der eine mit der Brille rum und der andere hat es am Bildschirm beobachtet. Als sie dann unserem Hund die Brille aufsetzen wollten, mussten wir allerdings eingreifen.

Zum Abschluss dann noch ein Business Lunch und die zwei neuen UXler waren überzeugt.

Hier noch ein kurzes Video und ein paar Bilder über die Eyetracking-Erlebnisse von Marek und Jonas:

Und der Hund war auch ganz entspannt…

boys-day bei eparo-6

 
19. April, 2016

Axure 8 ist released

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 11.28.07

Endlich ist die finale Axure Version 8 herausgekommen und ihr könnt eure Kundenprojekte nun mit der neuen Version angehen. Das Update ist kostenlos und ist echt den Download wert! Hier ist der Link zum Download: http://www.axure.com/download

Eine Übersicht der wichtigsten Neuerungen findet ihr unter der Seite von Axure oder in unserem vergangen Beitrag: Neues in Axure 8. Während unseres letzten Beitrags wurde noch allerhand verändert. Das sind kurz die weiteren Neuerungen, die noch hinzugekommen sind:

Die Benutzeroberfläche hat einen frischen Anstrich bekommen und kann sogar noch über View>Toolbars>Customize Main Toolbar… an die eigene Bedürfnisse angepasst werden kann.

Außerdem gibt es die Möglichkeit für jede Seite individuell festzulegen, ob man auf dieser Adaptive Views nutzen möchte. Davor wurde diese Einstellung im gesamten Prototypen festgelegt.

Leider ist es immer noch nicht möglich Vektorgrafiken in Axure außer als eingefügtes Bild zu nutzen. Aber immerhin gibt es nun eine integrierte Standard Icon Library, bei denen die Icons beliebig eingefärbt und skaliert werden können.

Wer sich einmal Gedanken machen möchte, was ein gutes Prototyping Tool ausmacht und an einen Vergleich zu dem neu entwickelten Tool Adobe Experience Design interessiert ist, der ist herzlich zu den AXChange Meetups eingeladen:
Hamburg – Mittwoch, 20. April 2016
Berlin – Donnerstag, 28. April 2016

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 10.41.38

 
5. April, 2016

eparo goes Holacracy: So fängt es an.

amsterdam roadtrip blog

Veränderung muss her

Wir versuchen schon seit bestimmt 2-3 Jahren, uns anders zu organisieren, da die Arbeiterei so keinen Spaß macht. Irgendwann fingen meine Kollegen an, von mir als „dem Chef“ zu sprechen. Und ich hatte das Gefühl, dass alle sich darauf verlassen, dass „der Chef“ sich schon kümmert. So hatte ich mir das nicht vorgestellt und die ersten ernsthaften Burn-out Symptome tauchten auch bald auf.
Also haben wir angefangen, rumzuprobieren:

  • In einem Team-Wochenende haben wir die Probleme analysiert und gemeinsam einen ganzen Katalog von Maßnahmen definiert für mehr Wertschätzung und bessere Zusammenarbeit. *Ging im Tagesgeschäft unter*.
  • Wir haben Teams gebildet, die sich um definierte Themen kümmern wollten, ohne dass ich reinrede. *Ging im Tagesgeschäft unter*
  • Wir haben die Anfänge von Unternehmensbürokratie (Urlaubsanträge, Einkäufe etc.) wieder eingedämmt. *Das hat funktioniert*

So richtig gut war das alles nicht. Aber wir hatten weder die Energie noch die Zeit, uns intensiv mit uns selbst zu beschäftigen. Irgendwie lief es dann doch ja ganz ok…

Ruben erklärt Holacracy

Wir hatten natürlich auch schon von Holacracy gehört, uns aber nie ernsthaft damit befasst. War irgendwie so ein Modethema aus dem Silicon Valley…
Aber dann kam Ruben Zimmermann (@rubzie), Gründer von Springest.

Er hatte Chris im Beta-Haus getroffen, wo er einen Vortrag über Holacracy bei Springest gehalten hat. Er war für drei Monate in Hamburg und hat in den verschiedenen Hamburger Co-Working-Space gearbeitet. Chris hat ihm dann angeboten, dass er auch gerne bei uns arbeiten könne. Das bieten wir ja schon mit der Arbeitsfrische einmal im Monat an und ein Platz findet sich eigentlich immer.
Beate hat dann den Ball aufgenommen und Ruben gleich gebeten, uns mehr zu Holacracy zu erzählen. Unser rudimentäres Wissen dazu wird schon daran deutlich, wie wir Holacracy geschrieben haben:-)

Alles, was Ruben erzählt hat, klang richtig gut. Wir haben auch direkt einige Sachen bemerkt, die unseren eigenen Startversuchen gefehlt haben:

  • Der Fokus auf Metriken in allen Meetings sorgt dafür, dass es sofort auffällt, wenn etwas nicht so läuft, wie gewünscht.
  • Die Verpflichtung jedes Einzelnen, alles was Bauchschmerzen macht, direkt anzusprechen und zu ändern, sorgt für kontinuierliche Verbesserung.
  • Rollen mit klaren Verantwortlichkeiten geben jedem die Sicherheit, was sie/er entscheiden kann.
  • Keine Abstimmungen, sondern über die „integrative Entscheidungsfindung“ Entschlüsse nach dem Content-Prinzip
  • Die völlig transparente Dokumentation von allen Festlegungen und Entscheidungen über Asana als unverzichtbare Klammer.

Das klang alles richtig gut und passte auch super zu den Ansätzen, die wir selber schon probiert hatten.
Dazu wollten wir mehr wissen. Ruben hat dann gleich Kontakte zu Valsplat und Concept7 hergestellt, die auch Holacracy eingeführt haben.

Holacracy Roadtrip nach Amsterdam

Beate und ich haben dann direkt Rubens Einladung „Kommt doch einfach mal zu Springest nach Amsterdam, dann könnt ihr Holacracy live erleben und mit anderen Leuten sprechen.“ zum Anlass genommen, über Ostern eine Woche nach Amsterdam zu fahren. Neben Springest gleich auch noch einen Besuch bei Valsplat organisiert und über Airbnb eine Unterkunft auf einem Schiff besorgt. Wenn schon, dann stilecht…

 

Wir besuchen Springest

springestSpringest ist ein Startup mit inzwischen 40 Mitarbeitern. Springest betreibt ein Portal für Weiterbildungsangebote, wo Kursanbieter ihre Kurse einstellen und Interessenten Kurse buchen können.
Bei Springest konnten wir direkt bei einem „Tactical Meeting“ dabei sein. Angefangen mit dem Check-in und den aktuellen Zahlen ging es direkt zum Projektstatus in den Projekten im Kreis. Wichtigster Teil des Meetings war dann die Aufnahme und das Abarbeiten von „Tensions“. Durch den Facilitator lief das ganze sehr strukturiert ab. Man hat gemerkt, dass Springest schon lange mit Holacracy arbeitet. Lustig war, dass alle sich kleine Notizen mitgebracht hatten, um ihre Themen/Tensions nicht zu vergessen.
Ruben hatte nicht zu viel versprochen. In dem Meeting wurde sehr strukturiert ohne wilde Diskussionen sehr viel erreicht.
Nach dem Meeting hat uns Matt noch fast zwei Stunden alle unsere Fragen rund um Holacracy beantwortet. Interessantes Detail: Eine seiner Rollen war „Holacracy Botschafter (oder so ähnlich)“.
Dabei wurde deutlich, dass auch mit Holacracy die Bedeutung von Führungsrollen nicht von heute auf morgen weg ist. Ruben hatte sehr klar einige der Schlüsselrollen besetzt und kann damit die Strategie stark vorgeben und wichtige Entscheidungen beeinflussen. Auch Matt hat deutlich gemacht, dass nicht alle Mitarbeiter gleich sind. Einige haben nur wenige, klar fachliche Rollen während andere Mitarbeiter durchaus schon mal 30 oder mehr Rollen haben können.
Hier muss man sicherlich sehr aufpassen, dass man die alten Hierarchien nicht unbewusst aufrecht hält.
Aber alles in allem waren Beate und ich ziemlich beeindruckt.

1:0 für Holacracy.

 

Wir besuchen Valsplat

valsplat firmenschildAm nächsten Tag waren wir dann bei Valsplat zu Gast. Valsplat ist das holländische eparo, nur doppelt so groß und rein fokussiert auf UX-Testing und User Research. Das war für uns sehr lehrreich, da es so viele Parallelen zu unserer Situation gab.
Bei Valsplat konnten wir zuerst mit Joris Leker, einem der beiden Gründer sprechen. Auch bei Valsplat war die Hauptmotivation, Holacracy einzuführen, der Wunsch, die Rolle der Gründer zu reduzieren und so besser wachsen zu können.

 

Joris Leker erklärt uns Holacracy bei Valsplat

Joris hat uns einen guten Überblick über die Rollen und Kreise bei Valsplat gegeben. Interessant war dabei, dass sich Rollen und Kreise tatsächlich ständig im Fluss befinden. Sätze wie „Den Kreis haben wir gerade eingerichtet“ oder „Die Rolle haben wir wieder abgeschafft.“ haben wir mehrfach von Joris gehört.

Nach dem Gespräch mit Joris konnten wir noch bei Valsplat Mittagessen und haben dort Nils van den Broek, den anderen Gründer getroffen. Er hat im Prinzip die Einschätzungen von Joris bestätigt.
Das Mittagessen war überhaupt sehr beeindruckend. Jeden Mittag essen die Valsplat Kollegen gemeinsam. Vorbereitet wird das Essen (Salate, Brot etc.) von einer Kollegin, die diese Rolle übernommen hat. Die Stimmung war sehr gut, vor allem auch das Tischtennisspielen hinterher. Das gemeinsame Mittagessen wollen wir direkt für eparo übernehmen. Ob wir allerdings drei Sorten Erdnussbutter haben werden, weiss ich noch nicht.

2:0 für Holacracy

 

Wir treffen eine Entscheidung

Zwei Termine, zweimal überzeugt. Für uns war die Entscheidung für Holacracy klar:

  • Holacracy ist ein komplett durchdachtes System mit dem man starten kann. Sollten sich Schwächen offenbaren, ist Holacracy flexibel genug, um Änderungen zuzulassen
  • Wir sind nicht alleine. Wir hatten den Eindruck, dass es einen guten Zusammenhalt und fachlichen Austausch in der Holacracy-Community gibt. Wenn wir auf Probleme stoßen, wird es einfach sein, Ruben, Matt, Joris, Nils oder andere Holacracy-Praktiker um Rat zu fragen.

Einziger Wermutstropfen ist das enge Korsett, das durch HolacracyOne (das Unternehmen des Holacracy-Erfinders Brian Robertson), für Holacracy-Coaches und für die Nutzung der Marke „Holacracy“ aufgesetzt hat. Aber das warten wir einfach mal ab.
Als nächstes holen wir das Team ab, besorgen uns Unterstützung durch einen Coach und starten auf die Holacracy-Reise.

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